7.1 Gewerkschaftliche Organisierung
Arbeiter:innen haben das Recht, sich zum Schutz ihrer Interessen zusammenzuschliessen, z.B. in einer Gewerkschaft. In vielen Betrieben werden Arbeiter:innen stark unter Druck gesetzt, damit sie sich nicht organisieren. Das kann von „Wir sind doch eine Familie, warum willst du jetzt Konflikt hier rein bringen?“ bis zu „Wer sich gewerkschaftlich organisiert, wird gekündigt“ reichen. Letzteres ist natürlich nicht legal. Dennoch wichtig zu wissen: Eine Beratung bei uns ist gratis und sie ist vollständig anonym. Dann können wir gemeinsam überlegen, wie du in deinem Betrieb vorgehen kannst.
Die grossen Gewerkschaften, wie die UNIA oder der VPOD, sind zwar finanziell und personell stark aufgestellt, doch gerade für prekär Arbeitende haben sie auch Nachteile:
Hohe Mitgliederbeiträge (Achtung: Teilweise gibt es zudem sehr lange Kündigungsfristen und Beiträge werden betrieben).
Verhandlungen werden stellvertretend geführt, also ohne Anwesenheit oder Delegation der Belegschaft. Das führt immer wieder zu Deals mit den Chef:innen, über die Köpfe der Arbeiter:innen hinweg.
Wenig Interesse an den neuen prekären Arbeitsformen, da die grossen Gewerkschaften vor allem auf GAV‘
Obwohl ihr Fokus auf den GAV liegt, beinhalten die aktuellen GAV absolut ungenügenden Schutz für Arbeiter:innen, es werden sogar gesetzliche Minimalstandards (z.B. Mindestlohngesetze) mit der Verhandlung eines GAV umgangen. Als Arbeiter:in hast du keinerlei Einflussmöglichkeit auf diese Verhandlungen und die Repräsentanten der Systemgewerkschaften sind kompromissfreudig. Zudem ist es Voraussetzung der Koalitionsfreiheit (Streikrecht), dass kein Gesamtarbeitsvertrag gilt. Die Systemgewerkschaften verhandeln also schlechte Arbeitsbedingungen und deswegen darfst du nicht streiken gegen genau diese prekäre Arbeitsbedingungen, obwohl einer ihrer Ursachen diese GAV sind.
Die IGA kritisiert zudem die Nähe dieser Gewerkschaften zum bürgerlichen Staat und zu den Chef:innen. Eine Gewerkschaft muss unabhängig und allein den Interessen der Arbeiter:innen verpflichtet sein. Wir verstehen uns als Basis-Gewerkschaft. Das heisst, neben der rechtlichen Beratung ist es unser Ziel, die Selbstorganisierung von Arbeiter:innen zu unterstützen. Je mehr Lohnabhän- gige selber aktiv werden, um ihre Interessen zu verteidigen, desto besser können 25 wir uns gegen die neoliberalen Angriffe der Chef:innen und des Staates wehren.
Ungerechtigkeit und Ausbeutung ist die Grundstruktur der kapitalistischen Produktionsweise, in der einige Wenige so viel Kapital besitzen, dass sie andere für sich arbeiten lassen können. Diese Besitzenden verfolgen das Ziel den Profit zu steigern, was nur Kosten der Arbeiter:innen und der Natur geht. Als Arbeiter:innen sind wir aber in der Überzahl und haben - sobald wir uns zusammenschliessen - eine grosse Macht. An dieser kollektiven Organisierung arbeiten wir, zusammen mit dir.